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Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte | antetanni liest Rachel Joyce

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Das Jahr, das zwei Sekunden dauerte von Rachel Joyce

antetanni_liest_Das-Jahr-das-zwei-Sekunden-dauerte_Rachel-Joyce„Niemand hat das Mädchen mit dem roten Fahrrad gesehen. Nur der elfjährige Byron, der mit seiner Mutter im Wagen sitzt, als der Unfall im dichten Nebel geschieht. Byron weiß sofort: Er darf keinem etwas davon erzählen. Doch in nur zwei Sekunden ist die ganze Welt aus den Fugen geraten – und es wird mehr als ein halbes Leben dauern, bis sie wieder in den Takt kommt.“

Lang ist meine Leseliste, hoch der Stapel der ungelesenen Bücher – und irgendwas ist immer, sodass ich zurzeit nur wenig zum Lesen komme. Auf meiner Lese-Wunschliste stand vor langem schon Die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry. Nach dem Roman Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson (ein großartiger Roman, wie ich finde, das hier jedoch nur am Rande) befürchtete ich, dass der Inhalt in die gleiche Richtung geht und so habe ich mich gegen die Pilgerreise entschieden (Nachtrag September 2015: nun doch gelesen – *klick* – und sehr zu empfehlen!). Inspiriert vom Klappentext der gebundenen Ausgabe, schlich ich dafür die letzten Monate immer wieder um den 2013 erschienenen zweiten Roman der britischen Autorin Rachel Joyce.

Im Mittelpunkt stehen der elfjährige Byron, seine wunderbar und elfengleich erscheinende Mutter Diana und James, der beste Freund von Byron. Es beginnt damit, dass dem Jahr 1972 zwei Sekunden hinzugefügt werden, zwei Sekunden, die Byron zum Verhängnis werden. Sein Alltag gerät völlig aus den Fugen, es erscheinen ihm sämtliche Dinge von nun an in einem anderen Licht und unzählige Fragen verwirren seinen kindlichen Verstand.

Rachel Joyce erzählt in diesem poetischen anmutenden Roman von der Suche nach der Wahrheit, die im Grunde ebenso relativ ist wie die Zeit. Innerhalb nur eines Sommers schafft Joyce eine bedrückende Stimmung und zieht den Leser in die Richtung der sich nahenden Katastrophe. Man ahnt es schon und bleibt doch sprachlos zurück. In dem parallel laufenden zweiten Erzählstrang erfährt der Leser von Jim, einem Mann mittleren Alters und scheinbar ohne Wurzeln und ohne Vergangenheit, der sich voller Neurosen durch seinen von Hoffnungslosigkeit geprägten Alltag kämpft. Erscheinen einem die Handlungen anfangs zum Teil noch äußerst skurril, so fügt sich über die Seiten ein Puzzleteil zum anderen und man ahnt, wie die Geschichten miteinander verwoben sein könnten. Bittersüße Melancholie trifft es gut und ein Lichtschimmer am Horizont. Unbedingt lesen.

Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte: 9 von 10 Punkten.

antetanni liest… Eine unvollständige Reihe… Fortsetzung folgt.

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4 Kommentare zu “Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte | antetanni liest Rachel Joyce

  1. „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“ habe ich noch gar nicht gelesen, dafür habe ich schon „die unglaubliche Pilgerreise des Harold Fry“ gelesen. ich weiß schon gar nicht mehr, ob es mich zu sehr an den Hundertjährigen erinnert hat, ich glaube aber nicht. Ich komme in letzter Zeit sogar recht gut zum Lesen (ich hab nämlich auch manchmal so Phasen, wo ich kaum lese), habe erst die Tage „Gone Girl“ fertig gelesen und sitze jetzt an dem zweiten Teil einer Trilogie.
    lg Vanessa

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    • Hmmmm, jetzt bin ich verunsichert, ob ich die Pilgerreise nicht doch noch lesen soll… ;-). Aber der Stapel der ungelesenen Bücher ist auch noch so hoch… Die Weihnachtszeit kommt, ich setze auf Füße hochlegen, auf dem Sofa rumlümmeln und lesen! ♥

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      • Dann versuch doch erst in Ruhe deinen Stapel abzubauen, die Pilgerreise läuft dir bestimmt nicht weg 😉
        liebe Grüße, Vanessa

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      • „in Ruhe“, das war das Stichwort… Neben dem Stapel der ungelesenen Bücher gibt es ja noch so diverse Näh- und Bastelprojekte. Eins nach dem anderen… Läuft (bei dir), ist ja jetzt das (Jugend)wort des Jahres :-)…

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