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Alles grün und gut? | antetanni liest (Buchempfehlung oder besser noch Pflichtlektüre)

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Alles grün und gut?: Eine Bilanz des ökologischen Denkens von Dirk Maxeiner und Michael Miersch
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Buch_Alles-gruen-und-gut_Maxeiner-MierschDenkanstöße für alle, die Umwelt und Natur wirklich schützen wollen…

Die Umweltbewegung kann auf eine enorme Erfolgsgeschichte zurückblicken: Alle trennen Müll, fahren Fahrrad und wollen die Welt vor Klimakollaps und Atomverseuchung retten. Doch inzwischen züchten wir Monokulturen für Biosprit, roden unsere Wälder für Stromtrassen und töten Vögel mit Windrädern. Ist es das, was wir wollen? Mit Maxeiner und Miersch ziehen zwei der profiliertesten Beobachter der Umweltbewegung Bilanz und zeigen, wo ökologisches Denken heute ansetzen muss. Soweit der Buchrücken, der das ganze Ausmaß aber gerade mal in Ansätzen trifft, wie ich finde.

Zu den Autoren: Die Publizisten Dirk Maxeiner, geboren 1953, und Michael Miersch, geboren 1956, sind seit ihren journalistischen Anfängen mit ökologischen Themen befasst. Beide prägten in den 80er und 90er Jahren zunächst das Umweltmagazin Chancen, anschließend Natur, die zu dieser Zeit größte europäische Umweltzeitschrift. Gemeinsam veröffentlichten sie eine Reihe von vielfach ausgezeichneten und international verlegten Büchern, darunter die Bestseller Öko-Optimismus, Lexikon der Öko-Irrtümer und Life Counts – Eine globale Bilanz des Lebens. Sie sind Mitherausgeber des publizistischen Netzwerks Die Achse des Guten.

Zum Inhalt: Ich lese dieses Buch und schüttele Seite um Seite nur noch den Kopf. Gerade oder vor allem auch wegen der vielen Gespräche, die in meinem Umfeld zum Thema Umweltschutz und Natur geführt werden (oft bezweifle ich, dass das, was da gesagt und getan wird, wirklich der Umwelt dient). Ich möchte gar nicht viel dazu schreiben, vielmehr möchte ich einen Rezensenten zitieren, der die Thematik des Buches mit seinen Worten auf den Punkt gebracht hat (danke für die Freigabe dazu, Herr R.):

(Zitat) „Sie werden schon wissen, warum sie diese Rezensionen lesen…denn sehr wahrscheinlich treibt Sie wie die meisten, die dieses Buch bereits gekauft haben, dieses seltsame und manchmal vielleicht auch noch etwas undefinierte Unbehagen über den scheinbaren gesellschaftlichen Konsens zu EEG, Energiewende, Gentechnik und Konsorten um. Es ist in der Tat der Meinungskorridor in der öffentlichen Auseinandersetzung zu diesen existenziellen Fragen, der kein Hinterfragen mehr zuzulassen scheint, ohne dass die mittlerweile übliche, schrille Kaskade von Beschimpfungen und Unterstellungen bis hin zu Verleumdungen losbricht.

Die Mutmaßung, dass hinter jeder nicht-konformen Ansicht und Meinung ein schwerer Fall von Lobbyismus und kapitalistischer Weltverschwörung zu verorten ist, wird mantramäßig so oft wiederholt, bis sie zur ausschließlichen Wahrheit wird, die nicht in Frage gestellt werden kann. Dies sind klare Anzeichen von religiösem/ideologischem Wahn(-sinn). Und wie immer, wenn Dogma und Fundamentalismus herrschen, ist Vorsicht im Umgang mit anderen, unbequemen Wahrheiten geboten. Der Scheiterhaufen droht.

Wenn Sie bereits ein wahrer Gläubiger geworden sind, so werden Sie wenig Freude an diesem Buch haben und es sehr wahrscheinlich nicht mal zu Ende lesen. Vieles, was die Autoren Maxeiner und Miersch schildern, weiß man bereits, vieles hat man immer geahnt, aber noch viel mehr überrascht, schockiert und manchmal macht es auch nur noch wütend, ob der Hilflosigkeit vor dieser nur noch als Verblendung zu bezeichnenden Vorgehensweise des öko-sozialen Industriekomplexes.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dort durchaus außerordentlich gut an der Energiewende verdient wird. Mehrere Bekannte aus meinem Umfeld sind inzwischen mehrfache Millionäre damit geworden und beschäftigen sich derzeit intensiv mit Landkauf in Kanada, Spanien oder wo auch immer das gerade angesagt ist. Tja, da kann man sich nur ärgern, nicht selbst rechtzeitig auf diesen Zug aufgesprungen zu sein…

Maxeiner/Miersch weisen daher absolut glaubwürdig auf diese soziale Umverteilung von unten nach oben hin. Alles unter dem Deckmantel der Weltrettung und zu Lasten der Bevölkerung, die sich keine Flächen zur Stromerzeugung leisten kann. Bigott auch der baden-württembergische Umweltminister Untersteller (Grüne), der meint, für ein paar Windräder könne man ruhig ein paar Bäume auf den Schwarzwaldhöhen fällen. Bei Stuttgart 21 ging es noch um jede einzelne Platane, die unbedingt geschützt und für Unsummen umgepflanzt werden musste.

Aber ja, es geht eben um die richtige Sache und dafür müssen Opfer gebracht werden. Eine durchaus bekannte Rhetorik, nicht wahr?

Leider wird sie meistens immer dann angebracht, wenn es nicht mehr um Demokratie, Freiheit und Mitbestimmung geht, sondern um die gnadenlose Durchsetzung eigener Interessen/Vorstellungen und wird sehr gerne auch in/von totalitären Systemen verwendet. Alles in allem: Ein gut geschriebenes Buch, das auf sehr viel Aspekte des Ökologismus eingeht, sie knapp, aber gut und erhellend darstellt.

Aus meiner Sicht ein Muß für jeden gut sortierten Haushalt, in dem Kritik- und Reflexionsfähigkeit noch nicht zu Fremdwörtern verkommen sind. Zum Schluß meiner Rezension ein gern in der Ökologistenszene verwendetes Zitat, das aber auch sehr gut zum Buch passt: Soll keiner sagen, er habe es nicht gewusst!“ (Zitat Ende)

Alles grün und gut?: Eine Bilanz des ökologischen Denkens – Tatsächlich Denkanstöße für alle, die Umwelt und Natur wirklich schützen wollen! Genau für diese Zielgruppe und gerade auch für all diejenigen, die schon meinen, auf dem „richtigen“ Weg zu sein und gerne „zurück zur Natur“ rufen (ich frage mich da immer, von welcher (Zeit bzw. welchem Zeitpunkt der) Natur sie denn sprechen, denn oft erscheint es mir, als sei das Naturbild stehengeblieben, ein verklärtes Bild irgendwann aus der Zeit der Romantik mit grünen Auen, röhrenden Hirschen und einer Alles-ist-gut-Mentalität…), sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre gehören!

Alles grün und gut?: Eine Bilanz des ökologischen Denkens: 10 von 10 Punkten.

antetanni liest… Eine unvollständige Reihe… Fortsetzung folgt.

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6 Kommentare zu “Alles grün und gut? | antetanni liest (Buchempfehlung oder besser noch Pflichtlektüre)

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  3. Hallo Anni!

    Den Titel kannte ich noch gar nicht, werde ich mir aber merken, wenn mir der Lesestoff ausgeht (derzeit leider nicht).

    lg
    Maria

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  4. Ein bisschen Angst macht mir das schon, wenn man schwarz auf weiß liest, dass es doch so schlimm ist, wie man immer befürchtet hat. Aber Information ist natürlich besser als ungesundes Halbwissen und Hörensagen. Merke ich mir, wollte eh dem eReader mal was neues zum futtern kaufen!

    Gefällt 1 Person

antetanni hört zu...sag was! (Kommentare sind doch das Salz in der Suppe! ♥, müssen aber von mir freigeschaltet werden, Danke für deine Geduld).

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