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(M)ein Blog rund ums Nähen und andere schöne Dinge.

Ökofimmel | antetanni liest (Buchempfehlung oder besser Pflichtlektüre)

Ein Kommentar

Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten – und was wir damit anrichten von Alexander Neubacher

antetanni-liest_Neubacher_Oekofimmel„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“

Wer genau diese Aussage getroffen hat, ob Mark Twain, Winston Churchill, Kurt Tucholsky oder wer auch immer, ist eigentlich egal. Die Aussage alleine hat es schon in sich und vieles ist damit gesagt.

Klappentext des jüngst gelesenen Buches Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten – und was wir damit anrichten von Alexander Neubacher: „Müll sortieren, Biosprit tanken, auf Solarstrom umsteigen oder auf Fleisch verzichten – die Möglichkeiten, die Umwelt zu schützen, scheinen endlos. Doch retten wir mit unserem Einsatz wirklich die Natur? Oder lassen wir uns lediglich von sinnlosen Vorschriften gängeln? Mittlerweile wissen wir: Die Energiesparbirne endet als gefährlicher Sondermüll, die ausgespülten Joghurtbecher werden verfeuert statt recycelt, und für die Herstellung von Biobenzin wird der Regenwald gerodet. Alexander Neubacher, selbst überzeugter Biokisten- Käufer, hinterfragt den Ökofimmel in unserem Leben und in der Politik und zeigt, was buchstäblich für die Tonne ist und womit wir der Umwelt wirklich helfen können.“

Wie schon beim Lesen von Alles grün und gut? spricht auch dieses Buch klar und nachvollziehbar sowie gut dokumentiert aus, was die meisten von uns in irgendeiner Form wissen und fühlen. Dass wir alle sorgfältiger mit unserer Umwelt werden müssen, daran besteht kein Zweifel. Viele – vor allem, diejenigen, die es sich ökonomisch leisten können!! – sind auch bereit, dafür Opfer zu bringen und sich zu bemühen. Auch der Autor selbst ist durchaus grün angehaucht, trennt den Müll und bevorzugt beim Einkauf biologisch wertvolle Produkte, möglichst aus der Region. Und doch beschleicht ihn – wie so viele von uns – oft ein mulmiges Bauchgefühl, dass der ganze Öko- und Biobetrieb voller Widersprüche und Ungereimtheiten steckt und es durchaus schwierig ist, Sinnvolles von völlig Unsinnigem wie auch Schädlichem für die Umwelt zu unterscheiden. Gut ist eben oft nur gut gemeint.

„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“ So ist es. Oft genug sind Prognosen nicht so eingetreten, wie von den (sogenannten) Experten, Apologeten und Fanatikern vorhergesagt. Oft genug haben sich die aufgezeigten Wege, die Welt auf diese oder jene Weise, mit diesem oder jenem Verbot oder Gebot zu retten, als falsch erwiesen. Mit dem Ergebnis, dass selbst der bemühteste Bürger fortan bei jeder weiteren Prognose abwinkt und ihr nicht mehr so richtig glauben möchte. Im Bemühen, die Welt zu retten, wird nur allzu häufig das Gegenteil vom Gewollten erreicht: Dass die Einführung des Dosenpfands dazu geführt hat, die bewährte Pfandflasche aus Glas, die wir über Jahrzehnte zurück zum Händler trugen, mehr oder weniger fast vom Markt zu verdrängen, daran hat Herr Trittin trotz warnender Mahnungen sicherlich nicht gedacht. Fakt ist aber, Plastik – vielmehr Einweg – verdrängt die Mehrwegflasche. Und das Dosenpfand begünstigt die Verdrängung, anstatt sie aufzuhalten. Ein typisches Beispiel für eine gut gemeinte, aber eben nicht eingetroffene Prognose. Den Weg korrigieren und das Dosenpfand überarbeiten? Weit gefehlt.

Oder Biosprit. Biosprit ist ein weiteres Beispiel dafür, wie irrsinnig der teilweise stattfindende Ökowahn betrieben wird: Um Biosprit (den keiner so richtig in den Tank seines „heiligen Bleches“ lassen will…) zu produzieren, werden Waldflächen en masse abgeholzt, anstelle Nahrungsmittel für hungernde Völker anzubauen, werden Pflanzen für die Herstellung von Treibstoff angebaut. Naja, die Leute, die da hungern, sind ja weit weg… Zynisch, na klar. Aber wer will (wird) schon so genau hinschauen. Biosprit ist doch gut für die Umwelt… (auch das soll gerne zynisch klingen, denn so ist es auch gemeint).

Doch selbst, wenn die Riege der unsere Regierung beratenden Experten und Wissenschaftler manche Fehleinschätzung und Fehlentwicklung erkannt hat, besitzt die Politik nicht die Kraft (oder liegt es doch am fehlenden Mut… die nächste Wahl steht irgendwo ja immer kurz bevor…??), einmal gefasste Beschlüsse zu korrigieren oder gar ganz zu stoppen. Man denke hierbei doch nur mal an die Sommerzeit – regelmäßig im Frühjahr und Herbst hören wir, dass die Maßnahmen bislang nichts gebracht haben. Aber abschaffen? Ebenso ganz weit gefehlt.

Ökofimmel ist ein Buch mit gutem Ansatz. Es ist nicht nur kurzweilig geschrieben, es macht tatsächlich sogar großen Spaß, es trotz aller Ernsthaftigkeit des Themas zu lesen. Ich habe oft lauthals losgelacht, auch wenn ich immer wieder den Kloß im Hals gespürt habe oder aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskam. Es bestätigte mich, was ich im Grunde als durchaus umweltbewusste und bemühte Person immer schon wusste oder zumindest oft geahnt hatte. Dass wir etwas für die Umwelt und unseren Planeten tun müssen, ist unstrittig. Aber bitte schützt uns alle doch vor den ökologisch-biologischen Pseudo-Weisheiten und Bio-Fanatikern! Der täglich grüne Irrsinn… Herrje.

Ich kann nur sagen: Pflichtlektüre und Denkanstöße für alle, die Umwelt und Natur wirklich schützen wollen!

Ökofimmel: Wie wir versuchen, die Welt zu retten – und was wir damit anrichten: 10 von 10 Punkten.

antetanni liest… Eine unvollständige Reihe… Fortsetzung folgt.

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Ein Kommentar zu “Ökofimmel | antetanni liest (Buchempfehlung oder besser Pflichtlektüre)

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antetanni hört zu...sag was! (Kommentare sind doch das Salz in der Suppe! ♥, müssen aber von mir freigeschaltet werden, Danke für deine Geduld).

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