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Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry | antetanni liest Rachel Joyce

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Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry von Rachel Joyce

120209_PilgerHaroldFry_FINAusw_U1.indd„Eigentlich wollte er nur zum Briefkasten. Dann geht Harold Fry 1000 Kilometer zu Fuß.“

Rachel Joyce‘ unvergesslicher Selbstfindungs-Roman über eine ungewöhnliche Pilgerreise hat die ganze Welt erobert und auch mich verzaubert…

Nachdem ich im Herbst Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte von Rachel Joyce und einige Zeit davor Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand von Jonas Jonasson gelesen habe, habe ich mit mir gerungen, ob ich Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry tatsächlich auch noch lesen sollte. Ich befürchtete, dass der Inhalt zu sehr in die gleiche Richtung geht und so habe ich das Buch von meiner Lese-Wunschliste gestrichen.

Zum Glück aber habe ich einer Kollegin davon erzählt… Sie nämlich hatte das Buch zuhause und so kam ich jetzt doch in den Genuss des Lesens.

Ja, das Buch ist ähnlich zu den beiden übrigen. Und doch ganz anders. Vor allem ist es sehr berührend. Ich konnte jeden Kilometer, den Harold Fry auf seiner Reise quer durch England durchwandert hat, beinahe spüren. Und oft habe ich mich bei dem Gedanken an eben viele Erinnerungen ertappt. Dinge, von denen auch ich gar nicht wusste, dass ich sie vergessen hatte. ♥ Die Pilgerreise ist ein Roman voller Ernst und Nachdenklichkeit.

Rachel Joyce erzählt die Geschichte von Harold. Er ist Renter und lebt ein alltägliches Leben mit seiner Frau Maureen. So, wie der gemeinsame Sohn David bereits außer Haus ist, so haben sich die beiden im Laufe ihres Lebens auseinandergelebt. Sie leben irgendwie ihr Dasein nebeneinander her. Und dann passiert es – an sich völlig unspektakulär. Harold empfängt einen Brief einer ehemaligen Arbeitskollegin, Queenie. An einem an einem ganz normalen Vormittag im April. Queenie und er arbeiteten für eine Weile in derselben Firma und wurden schließlich Freunde. Und verloren sich doch wieder aus den Augen. Nach nun zwanzig Jahren, die sich keinen Kontakt zueinander hatten, schreibt Queenie, dass sie Krebs hat und in einem Hospiz nahe der schottischen Grenze ist. Es ist ein Abschiedsbrief, der Harold sehr zusetzt, da es etwas gibt, weswegen er sich in Queenies Schuld sieht. Hilflos versucht Harold, den Brief zu beantworten, doch mehr als ein verschämtes Dankeschön und ein kleiner Satz des Bedauerns wollen ihm einfach nicht gelingen. Trotzdem macht er sich auf den Weg, den Brief einzuwerfen und je näher er dem Briefkasten kommt, desto klarer wird ihm, dass diese kurzen Zeilen nicht reichen. Und so lässt er einen Briefkasten nach dem anderen hinter sich, bis er sich entschließt, ein Zeichen zu setzen und zu Fuß nach Berwick upon Tweed zu gehen. Mit gerade diesem, was er am Leib trägt, in Segelschuhen und ohne weiteres Gepäck. Er geht einfach los. Einfach so. Er ruft im Hospiz an hinterlässt Queenie eine Nachricht, in der er sie bittet, auf ihn zu warten…

Harold macht sich im Gehen seine Gedanken. Kilometer um Kilometer lässt er sein Leben Revue passieren, sinnt über seine Kindheit nach, die Ursache für sein kompliziertes Verhältnis zu seinem eigenen Sohn wurde. Er erinnert sich an das frühe Glück mit seiner Frau, das sich irgendwann und unerklärlich zwischen ihnen verlor. Und er denkt an Queenie, der er ein Freund gewesen sein muss, ohne sich diese Freundschaft je richtig eingestanden zu haben. Harold erkennt, nicht nur mit Queenie eine Rechnung offen zu haben. Er hat sich zu ihr auf den Weg gemacht, doch Stück für Stück kommt er bei sich an.

Auch Maureen erlebt mit Harolds Weggang Veränderungen. Ist sie zuerst verärgert und wütend, dass er sich einfach so davon gemacht hat, spürt sich bald, dass die Reise nicht weg von ihr, sondern – ganz im Gegenteil – zu ihr führt. Als sie aufhört, von Harolds Weggehen gekränkt zu sein, erlangt sie einen neuen Blick auf ihr gemeinsam gelebtes Leben, was auch für sie bedeutet, sich bitteren Wahrheiten zu stellen.

Rachel Joyce erzählt eine anrührende Geschichte, die oft überrascht. Seite um Seite erlebt auch der Leser, dass es gar nicht unwahrscheinlich ist, sich am Ende seines Arbeitslebens eine neue Herausforderung zu suchen und sich Fragen zu stellen, denen man im beruflichen Alltag vielleicht stets ausgewichen ist. Und dass man auf dem Weg sich selbst mehr und mehr begegnet und zu sich und anderen einen neuen Zugang findet. Und ebenso ist es nicht unwahrscheinlich, dass sich die Medien auf eine solch verrückt erscheinende Idee stürzen, sich Mitläufer anhängen und Trittbrettfahrer ins Rampenlicht drängen. Joyce erzählt das alles sachlich, aber doch so plastisch, dass man Harolds Reise förmlich miterlebt.

Unbedingt lesen.

Danke an dich, liebe Sybille, fürs Ausleihen!

Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry: 9 von 10 Punkten.

antetanni liest… Eine unvollständige Reihe… Fortsetzung folgt.

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9 Kommentare zu “Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry | antetanni liest Rachel Joyce

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  4. Das klingt nach einem schönen Buch. Bin immer auf der Suche nach Lesetipps, auch wenn es viel mehr lesenswerte Bücher gibt als Zeit dafür. LG Undine

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  5. Hat dies auf Fundstücke aus dem Internet rebloggt und kommentierte:
    Das Buch hat mir auch unglaublich gut gefallen. Eigentlich wollte ich ja selbst eine Rezension schreiben, erübrigt sich nun. Danke Anni!

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  6. Hallo Anni!

    Dieses Buch habe ich auch im Sommer gelesen und wollte eigentlich unbedingt eine Rezension schreiben, weil es mir so gut gefallen hat.

    Nun brauche ich das nicht mehr zu tun, Du hast ja alles gesagt. Mir hat das Buch auch unglaublich gut gefallen!

    lg
    Maria

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