antetanni

(M)ein kunterbunter Blog rund um Nähen, Fotografie, Wandern, Kochen und viele andere schöne Dinge.

Vom guten Geschirr und Sonntagskleidern | antetanni sagt was

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Vom guten Geschirr… Etwas aufsparen? Oder es sich wert sein?

antetanni_Button_SprechblaseAls ich ein kleines Kind war, gab es immer irgendein besonderes Kleidungsstück im Schrank. Das wurde nur zu ganz bestimmten Anlässen oder sonntags getragen. Auch hatten wir im Wohnzimmerschrank ganz besonderes Geschirr und Besteck, das nur bei Familienfesten hervorgeholt wurde. Im Alltag kam quasi das Küchengeschirr zum Einsatz, die guten Sachen waren der Verwandtschaft und anderen Gästen vorbehalten.

Eine seltsame Marotte, die meine Eltern vermutlich von ihren Eltern (und die wahrscheinlich von ihren usw.) übernommen hatten und die ich ganz automatisch bei vielen Dingen weiter übernommen habe. Warum?

So habe ich tatsächlich Gläser im Schrank stehen, die ich aus dem Buffet in der guten Stube meiner Großmutter bekommen habe, als diese starb (ich war da gerade mal zehn Jahre alt und wollte diese Gläser unbedingt haben, weil sie so einen schönen Schliff hatten). Diese Gläser habe ich noch nie (!) benutzt und ich vermute, sie kamen auch bei Oma Berta nur sehr selten zum Einsatz. Omas Gläser hatte ich also schon in meinem Jugendzimmer stehen und sie zogen mit mir von Bleibe zu Bleibe. Immer gut behütet wie ein kostbarer Schatz kamen sie wieder in den Schrank und stauben heute noch vor sich hin:

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antetanni-sagt-was_Glaeser-Oma
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Obwohl ich verstandsmäßig weiß, dass das völliger Unsinn ist, bringe ich es doch nicht übers Herz, die Gläser einzusetzen. Sie sind ganz bestimmt nicht spülmaschinenfest (und ich stelle ja so gut wie alles in die Spüli), also trau(t)e ich mich bislang nicht. Darum!

Und dann ist da noch das Likörset, das auch seit Jahren einstaubt…

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antetanni-sagt-was_Barset-Papa
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Nun war ich vor einigen Tagen mit einer Freundin zum Kaffee trinken in einem Tee-/Kaffeegeschäft verabredet. Dort gibt es eine kleine Sitzecke, um sich zum Schwatzen zu treffen, dabei Tee oder Kaffee zu trinken und auch ein von der Inhaberin selbstgebackenes Stück Kuchen zu essen… Lecker. Und das nur am Rande.

Neben tollen Tees aus aller Wert, gibt es auch allerlei Schönes rund die Kaffeetafel zuhause zu kaufen – Geschirr, Servietten, Kerzengläser und vieles weitere an Präsenten mehr. Unter anderem das fröhlich bunte Geschirr von Pip-Studio, von dem ich seit Jahren Espressotassen und Teebecher und einige weitere  Teile zuhause habe. NICHT spülmaschinenfest. Grrrr. Ich wollte es dennoch haben, weil es so fröhlich aussieht und mir alleine schon beim Anblick ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Zuckerdose ist immer im Einsatz (sie wird ja nicht alle Tage gespült), die Tassen benutze ich sehr selten. Aber wenn sie dann im Einsatz sind und ich meinen Espresso aus den zauberhaften Tassen trinke, betrachte ich diesen Moment dann gleich als einen ganz besonderen (irgendwie auch schön).

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antetanni-freut-sich_Espresso-Tasse-Pip-Studio * * *

Und doch… Anlässlich des Pip-Geschirrs kam ich mit der Inhaberin ins Gespräch, wie das so ist mit Dingen, die nicht täglich benutzt werden, weil „für gut“ aufgespart (die Kristallgläser von…, die Lieblingsjeans, die Wäsche für besondere Tage, das Lieblingskleid, das Lieblingsparfüm, das ich mal trage/benutze, wenn…). Es entstand eine sehr angeregte Unterhaltung darüber, wie wichtig es doch sei (und ist!), sich selbst für so gut anzuerkennen, dass man es sich selbst wert sein muss, genau solche geglaubten Sonntagsdinge nicht Sonntagsdinge sein zu lassen, sondern sie im Alltag zu benutzen und dass es sich doch gerade bei Geschirr um Gebrauchsgegenstände handelt, die dann eben auch mal ersetzt werden müssen, wenn sie kaputt gegangen sind (man stelle sich nur vor, das Sonntagsgeschirr geht sonntags zu Bruch…, was für ein Drama).

Passend dazu – ich sage nur selektive Wahrnehmung – stolpere ich nun im Netz über einen Beitrag genau zu diesem Thema: Im Blog Die Entdeckung der Schlichtheit (lesenswert!) fand ich den Artikel Vom Aufsparen und Es-sich-wert-sein. Zusammenfassend bringt Daniel es auf den Punkt:

„Der Zweck all dieser Dinge ist es jedoch:
Dir gut zu tun.
Dir zu dienen.
Dir ein schönes Leben und ein gutes Gefühl zu bereiten.
Jeder Tag ist besonders. Und Du bist sowieso jeden Tag etwas Besonderes.“

♥ ♥ ♥

Ob ich jetzt Omas Gläser tatsächlich einsetzen oder mich lieber von ihnen trennen werde, das weiß ich noch nicht. Ich weiß aber, dass ich den Schrank ausräumen werde, um dort Platz für Alltägliches zu schaffen. Und entweder schaffen es eben genau diese Gläser, unseren Alltag zu erobern oder sie sind bei uns im Haushalt fehl am Platz und jemand anderes freut sich vielleicht darüber. Sicher ist, dass die Gläser nicht in den Keller kommen, dort ist es ohnehin viel zu voll und dort bin ich längst nicht fertig mit dem Ausräumen und Entsorgen. 🙂

Omas Gläser sind übrigens jeweils 6 x vorhanden, falls jemand Interesse hat…?! Zur Likörflasche (mit einem Korken im Verschluss) habe ich insgesamt 3 Schnaps-/Likörgläschen. Gerne gebe ich auch dieses Set in gute Hände ab!

Neben Omas Gläsern standen übrigens auch noch diese kultigen Whiskey-Gläser aus den 1960er-/70er-Jahren in unserem Schrank, die alle Eltern wohl im seinerzeitigen Bar-Fach hatten (kennt ihr das noch, meine Eltern hatten so ein Ausklappfach im Wohnzimmerschrank – innen waren schmale Regalböden aus Glas vor einer Spiegelwand und davor hatten die diversen Alkoholika-Flaschen Platz…). Von diesen Whiskey-Gläsern haben wir drei Stück und eines davon habe ich nun tatsächlich nach Jahren wieder einmal benutzt, um einen Whiskey mit Eis zu trinken. Ich sag’s ja, es wird… (also das mit dem Benutzen, nicht das mit dem Alkohol). 😀 Das Whiskey-Glas wanderte auch tapfer in die Spülmaschine! Ha!

* * *
antetanni-sagt-was_Whiskey-Glas-Papa
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Das Leben, das wir gerade leben, ist gut genug und genau richtig für die schönsten Sachen, die wir haben! So sagte es jüngst Denise von Fräulein Ordnung: „Ich möchte jeden Tag schönes Geschirr auf dem Tisch stehen haben. Ich möchte jedes Mal meinen Wein aus schönen Gläsern trinken; so oft es geht meine Lieblingsjeans tragen und mich sowieso am liebsten nur mit schöne Dingen umgeben.“ ♥

Passend dazu ein Zitat der Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck:

* * *antetanni-sagt-was_Die-wahre-Lebenskunst

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Wie ist es bei dir? Gibt es bei dir das gute Geschirr und Sonntagskleider? Ich bin gespannt und freue mich auf anregende Kommentare zum Thema!

P. S. Die Espresso-Tassen und die Tee-Tassen von Pip-Studio sind jetzt übrigens im Dauereinsatz und sie kommen – wenn ich so gar keine Lust auf Handspülen habe – nun auch tatsächlich in die Spülmaschine. Das ist doch etwas Wunderbares im Alltäglichen!  Von wegen vom guten Geschirr und Sonntagskleidern… ♥

 




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12 Kommentare zu “Vom guten Geschirr und Sonntagskleidern | antetanni sagt was

  1. Ich mag deinen Gedankengang 🙂 zum 18. Geburtstag bekam ich ganz viel “sonntagszeug“ – Besteck, Geschirr, Gläser, Kkchgeschirr, …. Anfangs habe ich sie alle gehütet wie viele kleine Augäpfel, doch das hielt nicht lange vor. Inzwischen bin ich der Meinung, wenn ich einen Gebrauchsgegenstand kaufe, dann lieber einmal etwas Hochwertiges anstatt regelmäßig minderwertige Ware. Dafür werden auch das “gute Geschirr“ und das “gute Besteck“ täglich benutzt. Denn wie du schon schriebst, wenn sonntags dann das Sonntagsgeschirr kaputt ginge.. 😉
    sei lieb gegrüßt ❤

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  2. Fast so wie mit dem hübschen Bastelzeux 😊
    Geschirr haben wir nur eines, das wir immer benutzen. Es gibt aber einige Teile, die nur an Weihnachten benutzt werden. Das liegt aber einzig und allein am Rentier mit der roten Nase- das passt halt nicht so gut im Sommer 😉
    Gläser haben wir in der Küche, im Esszimmer und im Wohnzimmer. Die sind nach Zweck sortiert und kommen zum Einsatz, wenn das passende Getränk gewünscht wird. Also so wie dein Whiskeyglas. Wir alles benutzt, nur manchmal zu selten.

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    • Das freut mich zu hören. Ich bin begeistert vom Thema, es scheint doch viele umzutreiben und es regt (vor allem mich) an, ALLES auf den Prüfstand zu setzen und mit wachem Blick durch die Schränke zu gehen. Viel zu lange schlummerte das Whiskey-Glas vor sich hin… Hicks. 😀

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  3. Hallo Anni,
    ein toller Post und so wahr. Am Besten gefällt mir dieses „Du bist sowieso jeden Tag etwas Besonderes“ Ich habe letztes Jahr viele besondere Sachen weggegeben, weil sie nicht zu mir, zu uns gepasst haben… Und es war ein gutes Gefühl, erleichternd…
    Alles Liebe von Katrin, die niemals Eis in den Whiskey tun würde… da geht das Besondere baden…

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  4. Hallo Anni!

    Ich war lange auch so eine. Mit Aufsparen. Als Kind habe ich Parfumproben gesammelt – nur nie verwendet bis sie ausgetrocknet waren. Zum Heulen, oder?

    Viele Dinge, die ich immer für das Besondere aufgespart habe, gibt es heute nicht mehr bei mir. Z.B. schöne Papierservietten. Brauche ich nicht mehr.

    Ich habe mich dafür entschieden, alles, was ich habe, auch benutzen zu wollen. Und was ich nicht benutzen will, das brauche ich auch nicht. Ein paar Erinnerungsstücke habe ich allerdings schon noch und das ist auch ok so. Die sind für mich von Gebrauchs- zu Dekogegenständen aufgewertet worden.

    Z.B. das chinesische Teeservice meiner Eltern, das sie zur Hochzeit bekommen haben. Das ist für mich nun Deko und ich freue mich, wenn ich es sehe. Und vor allem habe ich kein schlechtes Gewissen, weil ich es nicht verwende!

    Ich glaube, das ist auch der springende Punkt!

    lg
    Maria

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    • Schöne Worte, Maria. So ist es, manche Dinge sind ok als Dekoration, solange die Freude beim Anblick darüber groß ist bzw. größer als sich womöglich über den Staubfänger zu ärgern, solange ist alles in Ordnung. Ich bin froh über den Schritt, die Tassen jetzt endlich öfter zu benutzen, weil ich mich jedes Mal so freue, wenn ich aus ihnen trinken. Ebenso froh bin ich, dass die Zeit gekommen ist, mich von Omas Gläsern zu trennen. Was ich genau mit ihnen mache, weiß ich noch nicht, sie werden mit Sicherheit nicht weggeworfen. Vielleicht mögen meine Tante oder ihre Kinder sie haben, schließlich war Oma Berta auch ihre Tante/Mutter. Mal schauen… Der erste Schritt – die gedankliche Loslösung – ist erfolgt! Yeah! Und so werden auch bei mir Stück für Stück z. B. die für gut gehüteten Serviettenschätze aufgebraucht, bevor neue ins Haus einziehen dürfen!
      Ohhhh, Parfümproben, das kenne ich auch. Ich hatte das Bad voll damit (auch Cremepröbchen und all so’n Kram) – solange, bis sie nicht mehr rochen oder, wie du schreibst, eingetrocknet waren. Diesen Schrank habe ich rigoros ausgemistet und ich nehme nirgendwo mehr Proben mit, außer ich bin auf Entscheidungsfindung für irgendein Produkt (was aber eher selten passiert, inzwischen weiß ich ja [meist], was ich will). 😀
      Hab einen schönen Sonntagnachmittag
      Anni

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  5. Sehr richtig. Wir sollten es uns wert sein und die Dinge, die wir haben, auch nutzen.
    Ähnliche Diskussionen habe ich öfter mit meinen Arbeitskolleginnen, die es sich selbst nicht wert sind, hochwertige Lebensmittel zu kaufen (z.B. leckeres Öl, handgerösteter Kaffee, Pralinen…). Da heißt es dann auch „Sowas gutes, teures, das kann man mal verschenken, aber doch nicht selbst nutzen.“ Aber warum nicht mal selbst genießen? Warum sind wir selbst es uns nicht wert?
    PS: Meine Wohnung ist viel zu klein für Sonntagsgeschirr 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ohhh, das kenne ich auch, dass sich Leute einfach nichts gönnen. Ich rümpfe dann darüber die Nase, aber als ich die Gläser im Wohnzimmerschrank und die Espresso-/Teetasssen in der Küche entdeckt habe, musste ich mir an selbige Nase selbst fassen. Kann ja nicht über andere schimpfen, es aber nicht anders machen… 😉 Ich gelobe Besserung! Der heutige Espresso wurde bereits wieder aus dem Pip-Studio-Tässchen genossen und meinen Mann freut das sehr, denn er hat mir das Geschirr seinerzeit geschenkt. Sehr gut mit der kleinen Wohnung, unsere gibt den Platz eigentlich auch nicht her, aber glaube mir, irgendwie schaffe ich es immer wieder, auch aus kleinen Räumlichkeiten Platz- und Verstauwunder zu machen… Grrr. 🙂 So, das Credo des Tages lautet: WIR SIND ES UNS WERT! In diesem Sinne wünsche ich dir einen WERT-vollen Sonntag, genieße ihn und viel Freude bei allem Wunderbaren im Alltäglichen! ♥

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      • Schöne und wahre Worte!
        Eigentlich bin ich auch ein Verstau-Künstler. Aber unsere Altbauwohnung hat so komplizierte Wände, dass ich Bohren und Dübel vermeide. Und wenn man versucht, ohne Wandregale auszukommen, sieht es dann doch anders aus 😉
        Dir auch einen wundervollen Restsonntag!

        Gefällt 1 Person

antetanni hört zu...sag was! (Kommentare sind doch das Salz in der Suppe! ♥, müssen aber von mir freigeschaltet werden, Danke für deine Geduld).

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