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Müll im Meer | antetanni entdeckt Lesenswertes

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Viel Wirbel um alle meine Entchen…

antetanni-liest_Bild-der-Wissenschaft_4-2016_Muell-im-Meer (5)Oder: „Das Rätsel vom Müll im Meer. Bisher weiß niemand, wie gefährlich der Plastikmüll in den Meeren ist und wie viel davon überhaupt im Wasser treibt. Mit neuesten Methoden suchen Forscher jetzt nach Lösungen des Problems.“…

So der Teaser des lesenswerten Beitrags von Tim Schröder in der Ausgabe 4-2016 der Zeitschrift Bild der Wissenschaft.

Schröder berichtet von Gunnar Gerdts, einem Mikrobiologen, der am Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung (AWI) arbeitet und sich normalerweise mit Bakterien, den kleinsten Organismen im Wasser, beschäftigt. Sein aktuelles Forschungsthema ist jedoch ein ganz anderes: Plastikmüll im Meer. Ein Thema, das in den letzten Jahren nicht nur bei Wissenschaftlern, sondern vor allem in den Medien zu einem Riesenthema entwickelt hat.

Nach Hiobsbotschaften, dass auch im Bier winzige Plastikteilchen zu finden seien (inzwischen revidiert), machte der Wissenschaftler darauf aufmerksam, dass wir alle viel zu wenig wissen, um die Gefahren durch Plastikmüll richtig einschätzen zu können. Laut Gerdt seien „manche Forschungsergebnisse schlichtweg falsch oder zumindest übertrieben“. Keiner könne derzeit genau sagen, wie viel Plastik ins Meer gelangt. Laut einer Studie der Fachzeitschrift „Science“ fallen jährlich gut 275 Millionen Tonnen Abfall bei einer weltweiten Kunststoffproduktion von 300 Millionen Tonnen an. Die Abfallmenge entspricht damit guten 90 Prozent der Produktionsmenge! Geschätzt gelangen davon knapp 5 bis 13 Prozent im Meer. Das Problem bei all diesen Hochrechnungen sei aber, dass beim Thema Müll im Meer grobe Schätzungen oft als Tatsache genommen werden. So wurden in Europa 2014 rund 59 Millionen Tonnen Plastik erzeugt, wovon etwa 43 Prozent bei den Verbrauchern als Müll anfielen, also deutlich weniger als in der Schätzung von Science.

Egal welche Zahlen auch immer, letztlich ist jeder Plastikgegenstand, der ins Meer gelangt, einer zu viel. Viel wichtiger als die Frage aber, wie viel Plastik ins Meer gelange, sei die Frage, was sich gegen die Müllflut tun lässt. Dazu versuchen Forscher wie Gunnar Gerdts herauszufinden, wie stark die Verschmutzung mit Plastikmüll an verschiedenen Meeresregionen ist.

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Vor allem das winzige Mikroplastik bereitet den Forschern dabei Kopfzerbrechen. Meeresbewohner nehmen Mikroplastik mit der Nahrung auf. Über die Auswirkung sei jedoch noch nichts bzw. noch nichts Genaues bekannt. Ein Problem dabei seien die unterschiedlichen Messmethoden, mit denen Forschergruppen in den zurückliegenden Jahren das Mikroplastik erfasst und untersucht haben. Gerdts sagt, man habe „permanent Äpfel mit Birnen verglichen“. Meeresforscher fordern deutlich mehr Experimente, um herauszufinden, ob Mikroplastik gefährlich für Mensch und Tier ist. Und zwar mit einheitlichen Messstandards, die Gerdts mit dem europäischen Projekt „Baseman“, in dem 24 Partner aus 11 Ländern arbeiten, entwickeln möchte.

Alles in allem ist das ein sehr lesenswerter und hoch interessanter Beitrag. Und schließlich kommen die Plastikenten ins Spiel. „Dank“ eines Frachterunglücks, das Anfang 1992 auf dem Weg von Hongkong nach San Francisco in einen Sturm geriet und dabei zwölf Container verlor. Einer dieser Container nämlich öffnete sich und 29.000 Quietscheentchen gelangten so in den Pazifik. Jahrelang konnten Forscher ihren Weg durch die Weltmeere verfolgen. Dabei kamen die Forscher fünf mächtigen Wirbeln in den Weltmeeren auf die Spur, in denen sich schwimmender Müll sammelt.

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Europäische Forscher haben herausgefunden, dass sich Plastikabfall, der jahrelang im Meer treibt, zum Teil in den Tiefseegräben des Atlantiks wie in einem Endlager sammelt. Noch unbekannt sei, wie der Zerfall des Kunststoffs aber in 2000 Metern Tiefe ist. Zwar wisse man heute, wie schnell Kunststoffe im Komposthaufen zerfallen, oder wie man Plastik mit schnelleren Verfallszeiten herstellen kann, jedoch sei ebenso bekannt, dass die Situation im Meer eine ganz andere und ganz besondere ist. Schröder schließt seinen Beitrag mit der Hoffnung, dass es dank der Forschungen von beispielsweise Hans-Jose Endres, Professor für Biokunststoffe an der Hochschule Hannover, bald Kunststoffe geben wird, die im Meer deutlich schneller verrotten. „Das wäre endlich mal eine gute Müll-Nachricht“.

Mehr dazu im Netz, unter anderem hier: * http://worldoceanreview.com/ * http://www.awi.de/im-fokus/muell-im-meer.htmlhttp://www.wissenschaft.de/startseite/ *

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Was wir selbst tun können? Am besten wäre es, Plastikmüll ganz zu vermeiden oder zumindest zu recyceln. Nicht immer einfach, aber durchaus machbar. Ich glaube jedoch, dass es gar nicht Europa ist. Denn wie schreibt Schröder weiter: Vor allem in den südosteuropäischen Ländern fehlt es an einer gut entwickelten Müllentsorgung: Laut einer aktuellen Studie der Meeresschutzorganisation Ocean Conservancy seien fünf südostasiatische Nationen für die Hälfte des Plastikmülls verantwortlich. Das soll uns nicht hindern, selbst aktiv zu werden, aber frei nach Emanuel Geibel passt eben auch: Am europäischen Wesen mag die Welt da eben nicht genesen.

Verlinkt bei Maria unter * einfach.nachhaltig.besser.leben. *

Bildnachweis:
Titelbild Badeente ©picture alliance/Arco Images G

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9 Kommentare zu “Müll im Meer | antetanni entdeckt Lesenswertes

  1. Dazu geisterte letzte Woche noch ein Artikel im Netz herum. Ich weiß nicht, ob du das auch gelesen hast.

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/pet-plastik-fressende-bakterien-von-forschern-entdeckt-a-1081845.html

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/mikrobiologie-bakterien-bekommen-appetit-auf-plastik-1.2903423

    Aber so etwas ist natürlich keine Einladung dazu, unkontrolliert Dinge in Plastik zu kaufen. Besser ist es, solche Dinge nicht zu kaufen.

    Ich war einfach nur beeindruckt, dass es so etwas wie Plastik fressende Bakterien gibt.

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  2. Hallo Anni!

    Ein ganz wichtiges Thema, das Du hier aufgreifst. Auf Deinen letzten Absatz möchte ich noch eingehen – auch wenn wir keinen Einfluss haben, was andere tun, ist es doch wichtig, immer bei sich selbst anzufangen (Du schreibst es eh auch). Wenn jeder immer nur mit dem Finger auf andere zeigt, wird sich nie etwas ändern. Wie im Kleinen so im Großen.

    Dieser Beitrag würde doch ganz wunderbar zu unserer Linkparty „EiNaB“ passen – vielleicht hast Du noch Lust zu verlinken? (Infos auf meinem Blog)

    lg
    Maria

    Gefällt 1 Person

    • Danke, Maria. Auch für den Tipp mit dem Blog einfach.nachhaltig.besser.leben, ich vergesse immer wieder, dass es so viele tolle Möglichkeiten gibt, in der Gemeinschaft auf Themen aufmerksam zu machen. Ich habe den Beitrag somit eben gleich ruckzuck verlinkt. Ja, es ist wichtig, auch im Kleinen anzufangen. Mein Hinweise bzw. abgewandeltes Zitat von Geibel bezog sich darauf, dass es manchmal so irre Entscheidungen hinsichtlich egal was gibt, die einfach nichts bewirken, von denen aber geglaubt wird, sie könnten die Welt beeinflussen/verändern.

      Hey, was ist mit deiner Ruhe? 😉 (wobei ich mich freue, dass du meinen Beitrag gelesen hast!!)

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      • Hallo Anni!

        Meinst Du die Blogpause? Zählt nur aktiv, nicht passiv 😉

        In letzter Zeit bin ich zu fast gar nichts gekommen, daher möchte ich einmal in Ruhe an neuen Beiträgen arbeiten, darauf freue ich mich schon.

        Ich schreibe nämlich gerne und das geht mir echt ab, wenn ich nur veröffentliche und nicht zum „Nachproduzieren“ komme.

        Schön, dass Du zu EiNab verlinkt hast. Ist so ein wichtiges Thema!

        lg
        Maria

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      • Ach so, ich hatte schon Furcht. 😀 Ja, das kenne ich mit dem „Nachproduzieren“. Ich wollte so gerne für Ostern noch das ein oder andere genähte Projekt zeigen, jetzt aber ist die Nähmaschine weg und ich kam nicht zum Nähen. Auch ein paar Dinge zum Basteln hatte ich lange in meiner „Projekt-Pipeline“. Aber aktuell habe ich mehr das Bedürfnis, mich hier Schrank um Schrank und Schublade um Schublade ums Ausräumen und Trennen von Sachen zu kümmern, das hat gerade oberste Priorität. Genäht wird daher zurzeit nur im Kurs.

        Die Tunika-Bluse ist übrigens fertig, ich zeige sie im Laufe der Woche. Sie ist wirklich schön geworden… ♥

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      • Hallo Anni!

        Ja, das kenne ich auch. Wenn es einen gepackt hat mit dem Entrümpeln, dann kann das ganz schön viel Zeit binden. Aber es fühlt sich auch unheimlich gut an!

        lg
        Maria

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      • Das stimmt, es bindet oder „raubt“ im ersten Moment viel Zeit. Aber ich glaube, der (Zeit-)Gewinn, den ich bekomme, macht da ganz vieles wieder wett. Es ist jetzt schon zu fühlen, wie ich mich Stück für Stück befreit fühle, wenn wieder ein Teil im Müll oder im öffentlichen Bücherregal landet oder wenn ich es an jemanden, der es gerne haben möchte und gebrauchen kann, weitergegeben habe. Solange diese Motivation anhält, muss ich sie annehmen, ich kenne das nämlich bei mir, allzu schnell ist sonst der Funke verflogen. Also bleibe ich im Es-hat-mich-gepackt-Modus! 🙂

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antetanni hört zu...sag was! (Kommentare sind doch das Salz in der Suppe! ♥, müssen aber von mir freigeschaltet werden, Danke für deine Geduld).

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