52 Foto-Reise ♥ antetanni fotografiert 43 Schon alt (Woche 15/52)

Woche 15/52

Da kriegst du die Motten…

Vor zwei Tagen aus dem Urlaub zurückgekehrt, freue ich mich sehr, dass wir tatsächlich die ein oder andere Überraschung während unserer Tage in Potsdam erleben durften. Eine ganz großartige war unsere Radtour in den Süden von Potsdam, um uns dort Beelitz Heilstätten anzuschauen. Was für eine Entdeckung! Ich bin ganz begeistert von der Anlage, die zu den beeindruckendsten Zeugnissen des Heilstättenbaus in Deutschland gehörte.

Von der Landesversicherungsanstalt Berlin zwischen 1898 und 1930 erbaut, war die Arbeiter-Lungenheilstätten Beelitz-Heilstätten einer der größten Krankenhauskomplexe im Berliner Umland und seinerzeit der Stand der Dinge in puncto Größe und Modernität. Heute ist es ein denkmalgeschütztes Ensemble von 60 Gebäuden auf einer Gesamtfläche von ca. 200 Hektar.

Da kriegst du die Motten…

Wusstest du, woher diese Redewendung stammt? Ich (auch) nicht… Die Heilstätten dienten ursprünglich als Lungenheilanstalt aufgrund der epidemischen Ausbreitung der Tuberkulose Ende des 19. und Anfang des 20 Jahrhunderts, die vor allem in den Mietskasernen der Arbeiterviertel in Berlin grassierte. Hier hat die Redewendung „Da kriegst du die Motten“ ihren Ursprung: Mit den Motten nämlich ist die Tuberkulose gemeint, die wie Motten die Lunge zerfrisst.

Damit es nicht soweit kam, suchten viele TBC-Kranke Hilfe in der Lungenheilanstalt Beelitz. Die anfänglich 600 Betten wurden bald auf mehr als 1200 Betten erweitert. Abseits vom Lärm und Ruß der Großstadt sollten die mit Lungentuberkulose Infizierten mit Hilfe von Liegekuren (die Mediziner machten zu dieser Zeit gute Erfahrungen mit Kuraufenthalten an Orten mit sauberer Luft) und viel Ruhe genesen. In den Heilstätten wurden neben der Schwindsucht aber auch  nicht ansteckende Krankheiten, wie Verdauungs-, Stoffwechsel- oder Herzkrankheiten behandelt. Im 1. und 2. Weltkrieg diente die Anlage als Kriegslazarett für erkrankte und verwundete Soldaten, 1945 wurde das Gelände von der Roten Armee übernommen. Die Heilstätten dienten bis 1994 als das größte Militärhospital der sowjetischen/russischen Armee im Ausland. Von Dezember 1990 bis März 1991 waren die Heilstätten Aufenthaltsort des an Leberkrebs erkrankten Erich Honecker, bevor er und seine Frau Margot nach Moskau ausgeflogen wurden (Quelle: Wikipedia).

Die Heilstätten entstanden in vier Quadranten rund um die Bahnlinie in Beelitz. In zwei Bereichen nördlich der Bahnlinie waren die Lungenheilstätten untergebracht, in den beiden südlich gelegenen Teilen befanden sich die Sanatorien zur Behandlung nicht ansteckender Krankheiten. Die Bereiche waren jeweils nach Geschlechtern getrennt. So achtete man beim Bau darauf, dass die Betriebsgebäude, in denen überwiegend Frauen beschäftigt waren (Wäscherei, Küchengebäude usw.), im Frauenteil lagen. Im Männerteil wiederum waren beispielsweise Gebäude wie Heizhaus und Werkstätten sowie der Fuhrpark untergebracht.

Alle Gebäude sind, wenn teilweise auch nur als Ruine, erhalten. Viele der Bestandsgebäude wurden jedoch oder werden restauriert. Teilweise wurden auch neue Gebäude ergänzt. Unter anderem befinden sich in Beelitz-Heilstätten ein Parkinson-Fachkrankenhaus und neurologische Rehabilitationskliniken für Erwachsene und Kinder. In der Nähe des Bahnhofes wurden zudem mehrere Wohnhäuser errichtet bzw. entsteht weiterer Wohnraum.

Schon alt…

Jetzt wird es höchste Zeit, den Bogen zur „52“ Die Foto-Reise vom Blogzimmer zu schlagen. Für Woche 15 habe ich mir das Thema Schon alt ausgesucht. Im Rahmen einer Führung haben wir uns die Chirurgie angeschaut und ich habe ein paar Aufnahmen der wahrlich schon alten Gebäude usw. für die Foto-Reise mitgebracht.

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Wie gerne hätte ich noch viel mehr Zeit in den Heilstätten verbracht und sehr gerne hätte ich mir auch noch die weiteren zu besichtigenden Gebäude angeschaut. Aber irgendwann geht auch der schönste Ausflug mal zu Ende und wir hatten ja auch noch die Wegstrecke zurück mit dem Fahrrad zu bedenken…

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Da die Gebäude nach und nach revitalisiert und für neue Nutzungen vorgesehen werden, wird sich wohl der morbide Charakter des Gesamtensembles in den nächsten Jahren verändern. Es bleibt abzuwarten. Es bleibt spannend…

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Lediglich wohl wird das Alpenhaus als Monument der Erinnerung und als Beispiel für die Epoche des Verfalls in den Beelitzer Heilstätten in seinem Zustand belassen.

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Ich sollte am besten nochmals eine Reise nach Potsdam planen, um weitere Motive für die Foto-Reise fotografieren zu können…♥

[Alles zur Foto-Reise im…]
Blogzimmer | 52 Die Foto-Reise

[verlinkt]
52 Die Foto-Reise Woche 15/52
Foto der Woche #1
Samstagsplausch

[Mehr zur Geschichte]
https://baumundzeit.de/geschichte

18 Gedanken zu „52 Foto-Reise ♥ antetanni fotografiert 43 Schon alt (Woche 15/52)

  1. Junifee

    Das sieht ja toll aus! Besonder die Bank gefällt mir!
    Schöne Fotos hast Du mitgebracht – das ist ein wirklich interessanter Flecken. – danke für die kleine Exkursion.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.
    Liebe Grüße
    Junifee

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    Antwort
    1. antetanni Autor

      Ich glaube nicht, liebe Regula, dass alles zerfällt. Soweit ich es bei der Führung gehört und im Internet nachrecherchiert habe, wird viel getan, um die Gebäude einer Nachnutzung zuzuführen (Wohnraum, Büros, Gastronomie, Veranstaltungen…). Es wurde schon einiges restauriert und saniert. Als Zeitzeuge für den Verfall soll wohl „nur“ das „Alpenhaus“ bleiben.
      Liebe Grüße
      Anni

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      1. Regula Bartholdi

        Gut zu hören. Je mehr historische Gebäude ein Land hat, umso schwieriger ist es natürlich mit dem Erhalten dieser Gebäude. Schön, wenn sich private Investoren finden und das Gebäude wieder einem Zweck dienen kann.

        Liebe Grüsse zurück!

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  2. Myna Kaltschnee

    Wow! Ich habe schon mal von den Beelitzer Heilstätten gehört, war aber noch nie dort. Definitiv ein Ort, den ich auch gerne mal besuchen würde. Sind die Heilstätten denn auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Auto erreichbar? Oder nur mit dem Fahrrad?

    Die Fotos sind echt toll. Mein Favorit ist das Bild mit den offenen Fenstern. Interessant waren auch die Infos dazu. Ich wusste z. B. gar nicht, dass Honecker an Leberkrebs gelitten hat, geschweige denn, dort behandelt wurde. Und dass die Anlage so riesig ist, war mir auch nicht bewusst. 🙂

    Liebe Grüße
    Myna

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    Antwort
    1. antetanni Autor

      Dankeschön, lieber Martin. Im Norden von Berlin gibt es auch noch Heilstätten, ich glaube, sie heißen „Grabowsee“, da bin ich mir im Moment nicht ganz sicher. Sehen aber auch toll aus und hätte ich es letzte Woche schon gewusst, wäre wir sicherlich auch noch dahin geradelt…

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    1. antetanni Autor

      Es war soooooo schön. Ich würde am liebsten gleich wieder meinen Koffer packen und erneut losziehen. Potsdam samt Umland bietet viel Lebensqualität, das viele Wasser, die Natur… Hach, ich bin noch immer ganz verzückt.
      Liebe Grüße nach Potsdam
      Anni

      Gefällt 1 Person

      Antwort
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  5. Andrea Karminrot

    Ich hoffe ihr seid auch über den Baumwipfelpfad gewandert und im Anschluss im Barfusspark!
    Ich habe es immer noch nicht geschafft eine Führung mit zu machen. Aber ich weiß, dass es dort fantastische Motive gibt.
    Lieben Gruß
    Andrea

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